Kurzfassung
von Dr. Klaus Albrecht Schröder, Direktor Albertina/Wien

Das Jahr 1918, in dem Klimt und Schiele starben, war in jeder Hinsicht, in der Geschichte der Politik und der Kunst eine Zäsur. Es ist daher nicht Zufall, dass Herbert Boeckl unbelastet von den großen Vorgängern ein neues Kapitel der österreichischen Malerei eröffnen konnte, ein Kapitel das mit dem Trümmerhaufen der Monarchie auch die Fin-de-siècle Dekadenz des frühen Wiener Expressionismus hinter sich ließ. Er gehört künstlerisch bereits einer neuen Generation an und war ihr, wie so oft in seinem Leben, zugleich weit voraus.
Mit seinem großartigen Frühwerk hat er die österreichische Malerei aus der Stagnation des Expressionismus herausgeführt und sie mit seinem Spätwerk von der vom Ständestaat und Nationalsozialismus aufgezwungenem Provinzialität befreit. Er war in der ersten als auch zweiten Republik die Identifikationsfigur für die heimatlichen Künstler schlechthin. Sein Beitrag zum intellektuellen und kulturellem Wiederaufbau Österreichs nach dem zweiten Weltkrieg ist kaum hoch genug einzuschätzen, dies und sein einzigartiges und reiches künstlerisches Schaffen sollte Herbert Boeckl die Aufnahme in den Parnaß garantieren.

Männlicher Akt, 1919