Leonore Boeckl



Leonore Boeckl (1935–2017)

Das Wiener Kulturleben trauert um Leonore Boeckl, die am 20. September 2017 im Alter von 82 Jahren verstorben ist. Als Kunsthistorikerin, Galeristin und Nachlassverwalterin prägte sie die österreichische Kunstszene der Nachkriegszeit entscheidend mit.

Leonore Boeckl wurde am 11. August 1935 als Tochter des großen österreichischen Malers der Moderne, Herbert Boeckl, geboren. Nach ihrer Matura am Gymnasium Rahlgasse studierte sie Kunstgeschichte und Archäologie an der Universität Wien und schloss das Studium als Magistra ab. Ihr fundiertes Wissen nutzte sie für die exakte Aufarbeitung der österreichischen Moderne: Im Jahr 1976 veröffentlichte sie mit Dr. Frodl das erste wissenschaftliche Werkverzeichnis der Gemälde ihres Vaters, das bis heute als Standardwerk gilt.

Einem breiten Publikum wurde sie durch ihre Arbeit in der legendären Galerie auf der Stubenbastei bekannt. Von 1964 bis 1992 leitete sie dort das operative Geschäft. Sie organisierte Ausstellungen für wichtige Köpfe der Avantgarde, darunter Martha Jungwirth und Josef Mikl, und galt als wichtiges Bindeglied zwischen Künstlern, Presse und Publikum. Für ihre großen Verdienste um die Kunst wurde ihr später der Berufstitel Professorin verliehen.

Ihr Lebensmittelpunkt lag über Jahrzehnte in der geschichtsträchtigen Wohnung in der Köstlergasse 1 in Wien-Mariahilf. Die unverheiratete Kunsthistorikerin zeichnete sich neben ihrer beruflichen Arbeit durch ein tiefes Pflichtbewusstsein im familiären Kreis aus: In der gemeinsamen Wohnung betreute sie über viele Jahre hinweg liebevoll ihre Mutter Maria Boeckl bis zu deren Tod im Jahr 1992.

Von der Köstlergasse aus blieb Leonore Boeckl bis ins hohe Alter eine gefragte Expertin und großzügige Leihgeberin für Museen im In- und Ausland. Sie hinterlässt ein bleibendes Erbe in der Dokumentation der österreichischen Kunstgeschichte.